«Sustainable Finance Action Plan» der EU nimmt rasch an Fahrt auf

“EU Sustainable Finance Action Plan” gathers pace rapidly

Der europäische Grüne Deal («The European Green Deal») ist der Plan der Europäischen Kommission, mit dem insbesondere die im Übereinkommen von Paris gemachten Zusagen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen erreicht werden sollen.

Und die Ziele sind noch höher: Europa soll bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent werden. Als Teilstrategie dieses Green Deals soll der «Sustainable Finance Action Plan» dazu beitragen, die privaten Investitionen in eine «klimaneutrale, widerstandsfähige, ressourceneffiziente und gerechte» Wirtschaft weiter zu steigern. Wie?

Mit insgesamt zehn Initiativen möchte die Europäische Kommission Rahmenbedingungen für eine erhöhte Transparenz und Standardisierung bezüglich ESG-Informationen schaffen. Diese drei von den zehn Initiativen werden auch für Schweizer Unternehmen relevant sein, sofern sie börsenkotiert sind oder Finanzprodukte oder Dienstleistungen in der Europäischen Union anbieten.

    Die Sustainable Finance Disclosure Regulation (SFDR) muss ab dem 10. März dieses Jahres angewendet werden. Schweizer Finanzinstitutionen, die auch in der Europäischen Union Finanzprodukte anbieten, müssen offenlegen, wie sie Nachhaltigkeitsrisiken einerseits und ihre Auswirkungen auf Nachhaltigkeitsfaktoren andererseits erfassen und mit ihnen umgehen. Das betrifft die Offenlegung von Informationen auf Produktinformationsblättern und Broschüren, aber auch die unternehmensweite Veröffentlichung auf der Website. Indirekt kann diese Verordnung für alle börsenkotierten Unternehmen «spürbar» werden, da Asset Manager in der EU auch an sie herantreten werden, um die geforderten Informationen zu komplettieren.
    Die Taxonomy Regulation (TR) ist am 12. Juli 2020 in Kraft getreten und muss ab dem 1. Januar 2022 angewendet werden. Ab dann müssen grosse börsenkotierte Unternehmen in der EU offenlegen, wie viel Umsatz sie mit Tätigkeiten erwirtschaften, die im Sinne der EU-Taxonomie nachhaltig sind. In einem ersten Schritt ist eine Aktivität nachhaltig, wenn sie substanziell zur Minderung des Klimawandels oder zur Anpassung an den Klimawandel beiträgt. Die Taxonomie verfolgt neben diesen beiden noch vier weitere Ziele im Umweltbereich. Deren Detailkriterien sollen im kommenden Jahr in Kraft gesetzt werden.
    Ausblick: In diesem Jahr wird eine überarbeitete Version der bereits bestehenden Non-Financial Reporting Directive (NFRD) erwartet. Ziel dieser Reform: Grosse börsenkotierte Unternehmen im EU-Raum sollen zukünftig konkretere und verbindlichere Vorgaben bezüglich ihrer nichtfinanziellen Berichterstattung erhalten, damit Investoren die Leistung von Unternehmen im Hinblick auf z. B. Umweltrisiken und Menschenrechten besser einschätzen können. Das Inkrafttreten der überarbeiteten Direktive wird für das zweite Halbjahr 2022 erwartet.

Nicht zu vergessen in der Schweiz, der indirekte Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative. Mit diesem wird im April 2021 zum ersten Mal eine Berichterstattungspflicht zu nicht-finanziellen Informationen gesetzlich verankert werden.
Die Tendenz auf dem europäischen Kontinent scheint somit klar zu sein: In Zukunft wird von grossen Unternehmen eine detailliertere und vergleichbarere Berichterstattung zu nicht-finanziellen Themen erwartet, als dies heute der Fall ist. Damit steigt auch ihre Bedeutung, denn sie wird in Zukunft die Entscheidung noch stärker beeinflussen, ob ein Unternehmen Teil eines nachhaltigen Anlageportfolios sein kann oder nicht.

BSD berät seit über 20 Jahren Unternehmen in den Bereichen Nachhaltigkeitsstrategie und -kommunikation. Wir verfolgen die aktuellen Entwicklungen genau und machen uns fortwährend Gedanken darüber, wie Unternehmen bestehende und zukünftige Anforderungen sinnvoll und effizient erfüllen können. Unsere erprobten Ansätze wenden wir auch für die Erarbeitung der Berichterstattung für die SFDR an, so zum Beispiel unser Vorgehen zur Identifikation der relevanten Nachhaltigkeitsfaktoren oder unsere proprietäre Methodik zur Bewertung von Nachhaltigkeitsrisiken entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Für die Bestimmung des Taxonomie-relevanten Umsatzanteils eines Unternehmens haben wir einen Ansatz entwickelt, der sich am von der «Technical Expert Group» vorgeschlagenen Vorgehen orientiert.